Angst und Panik
Ängste sind generell ein wichtiger und sogar überlebensnotwendiger Bestandteil des Lebens. Ohne Angst würden wir uns in gefährliche Situationen begeben, in denen die Gesundheit oder sogar das Leben bedroht ist (z.B. zu nahe zu einem Abgrund gehen). Angst ist somit etwas, das jeder Mensch kennt.
Wenn Ängste jedoch übermäßig stark sind oder ohne konkrete Auslöser auftreten (z.B. Panik im Einkaufszentrum), dann sollten konkrete Schritte unternommen werden, um die Angst zu bewältigen. Von diesen sogenannten behandlungsbedürftigen Ängsten ist immerhin jeder Fünfte (20%) betroffen(!).
Die Folgen sind vielfältig: weniger Lebensfreude, Einschränkung der persönlichen Freiheit, Rückzug oder soziale Isolation, Schlafbeschwerden, depressive Stimmungen und psychosomatische Beschwerden, wie Kopfschmerzen oder Magenbeschwerden.
Doch so belastend die Ängste oder Panikattacken im Moment auch sind, so effektiv und rasch kann in den meisten Fällen geholfen werden. Dabei geht es meistens um konkrete Übungen und Strategien, die selbst eingesetzt werden können, damit die Angst bewältigt werden kann. Die Hilfe zur Selbsthilfe ist das Ziel der psychologischen Therapie. Damit der beste Weg eingeschlagen werden kann, um wieder angstfrei zu werden, ist zu Beginn eine klinisch-psychologische Diagnostik wichtig. Dabei kann genau festgestellt werden, um welche Art der Angst es sich handelt, wie diese entstanden ist und welche Therapiemethoden den bestmöglichen Erfolg versprechen.
Ursachen:
Die Ursachen von Angststörungen sind vielfältig und individuell sehr unterschiedlich. Im Folgenden werden einige häufig vorhandene Bedingungen dargestellt, die das Risiko einer Angststörung erhöhen. Dabei ist wichtig festzuhalten, dass im Allgemeinen mehrere Bedingungen zusammentreffen müssen, damit es zur Ausprägung einer bestimmten Angst kommt. Bei den Ursachen können längerfristige Ursachen, auslösende Bedingungen, aufrechterhaltende Faktoren und organische Gründe unterschieden werden.
Bei den verschiedenen Angststörungen sind im Allgemeinen auch Folgeprobleme vorhanden. So kommt es bei einem Teil der Betroffenen zu einer Depression, besonders wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen und verschiedene Therapiemaßnahmen keine Besserung erreicht haben. Weiters gibt es häufig eine Kopplung einer Angststörung mit anderen Angststörungen (z.B. Panikstörung mit Agoraphobie). Rückzug aus gesellschaftlichen Aktivitäten, Schlafbeschwerden und Probleme in der Familie und im Beruf sind ebenfalls häufig vorhanden. Übermäßiger Alkohol oder Medikamentenkonsum verschafft nur eine vorübergehende Linderung und führt bereits nach kurzer Zeit zu einer Verschlechterung der Beschwerden und kann zu Abhängigkeit führen.
Durch diese Folgeprobleme werden die Angstbeschwerden noch weiter verstärkt und es kommt zu einem Teufelskreis, aus dem die Betroffenen ohne professionelle Hilfe oft nur schwer herausfinden.
Therapie:
Therapie am Beispiel der Panikstörung mit Agoraphobie:
Zunächst wird bei einer ausführlichen klinisch-psychologischen Diagnostik festgestellt, welche Symptome und welche Ursachen bzw. aufrechterhaltenden Faktoren vorhanden sind. Bei der psychologischen Therapie geht es dann darum, dass der Patient lernt, die Angst selbst in den Griff zu bekommen. Dabei werden verschiedene, individuell maßgeschneiderte Strategien gelernt, um den Teufelskreis der Angst zu durchbrechen. Es kommen einerseits gedankliche Strategien zum Einsatz, um die negativen Gedanken zu verändern (kognitive Therapie) und andererseits bestimmte Entspannungsverfahren, wie Biofeedback oder Progressive Muskelentspannung, um die starke körperliche Anspannung zu reduzieren. Dadurch wird eine Aufschaukelung des Teufelskreises verhindert und die Angst nimmt wieder ab. Je öfter der Erfolg eintritt, dass die Angst kontrolliert und bewältigt werden kann, umso rascher kommt es zu einer Abnahme der Panikattacken bis diese nicht mehr auftreten.
Wenn diese Strategien gut eingesetzt werden können, ist es auch möglich jene Situationen und Orte aufzusuchen, die bislang wegen der Angst gemieden wurden. Das Vermeidungsverhalten wird Schritt für Schritt abgebaut, bis der Patient wieder alle vorher gemiedenen Situationen aufsuchen kann. Die persönliche Freiheit wird dadurch wieder hergestellt, was sich positiv auf das gesamte Leben auswirkt. Da die Patienten selbst lernen, etwas gegen die Angst zu tun, ist der Erfolg langandauernd und das Risiko für Rückfälle sehr gering.
Psychologische Praxis
Mag. Christoph Wiedermann